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Moorgebiet Säntis Nord

In den tiefer liegenden Teilen der Moorlandschaft wie “Schattenhalbriet” und “Zilmüslen” werden die Flachmoore als Streuwiesen genutzt. Streuwiesen sind Rietwiesen, die erst im Spätsommer gemäht werden, wenn sie bereits versamt haben. Die Artenvielfalt der Wiesenpflanzen bleibt so erhalten. Das Mähgut wird als Stall-Einstreue abgeführt. Im höher gelegenen Alpweidegebiet überziehen die Moore, vorwiegendKleinseggenrieder und Hochstaudenfluren, ausserordentlich grosse Flächen.

Sehr eindrücklich sind die in Terrassen und Hangverebnungen liegenden Moore der Schwägalp, der Lütisalp, der Säntisalp und Potersalp. In den bewaldeten Teilen der Landschaft, vor allem rund um den Chräzerenpass im Chol- und Bruggerwald, liegen die Hoch- und Flachmoore in zahllosen kleineren und grösseren Lichtungen verstreut. Die Moordichte ist hier sehr hoch. Die vielen primären und sekundären Hochmoore zeigen vielfältige Ausbildungsformen (Sattel-, Grat-, Wasserscheiden-, Hangmoore) und stellen einen besonderen Wert dar. Die Verbreitung der Moorflächen wiederspiegelt in lehrbuchartiger Weise den Zusammenhang mit dem Relief und dem geologischen Untergrund. Rund um den Chräzerenpass liegen die Moore als langgezogene Streifen in den Tälchen und Senken zwischen den Schichtrippen. Im Gebiet Schattenhalbriet-Zilmüslen nehmen sie drei übereinanderliegende, langgestreckte Terrassen ein.

Die Moorlandschaft weist ausserhalb der Moore eine grosse Vielfalt an Biotopen der montanen bis subalpinen Stufe auf, wie dichte und lockere Fichtenwälder, Grünerlen- und Eschengebüsche, Hochstaudenfluren, trockene bis feuchte Wiesen und Alpweiden sowie Pioniervegetation auf Schutt und Felsen. Östlich des Chräzerenpasses findet sich aufgrund der spezifischen Qualität der Biotope ein wichtiger Lebensraum des Auerwildes.

Das im Südwesten anschliessende Gebiet Leser-Tolen ist eine wertvolle Alp-Kulturlandschaft mit vielfältigen, natürlichen und kulturbedingten Elementen (Grünerlengebüsche, Alpenrosenfluren, Geröllhalden, Lesesteinhaufen, Weidemauern, alte Fichten). Die Besiedlung der Moorlandschaft ist in ihrer typischen Struktur weitgehend erhalten geblieben und besteht aus Alpgebäuden in traditioneller Bauweise; in den tieferen Tallagen befinden sich die wenigen ganzjährig bewohnten Gebäude. Teile der Moorlandschaft werden auch als militärisches Übungsgelände genutzt und sind durch die Schwägalp-Passstrasse, welche das Appenzellerland mit dem Toggenburg verbindet, erschlossen.