Da in den Alpen die Wetterbedingungen extrem sind, müssen die Pflanzen sehr gut angepasst sein. Je kleiner und kompakter sie sind, desto besser können sie sich an den Boden anschmiegen und ihr eigenes Mikroklima schaffen. Während die Lufttemperatur z.B. 5° C beträgt, kann die Pflanze zwischen ihren Blättern 15° bis 20° C halten. Die im Herbst absterbenden Blätter verrotten unter der Pflanze wie im Komposthaufen und die Nährstoffe stehen der Pflanze im nächsten Jahr zur Verfügung.

Lebensnotwendig für Gebirgspflanzen ist auch der Schutz vor zu starken Wasserverlusten. Einige Pflanzen haben daher eine wachsige oder behaarte Oberfläche, die sie vor Austrocknung, Abkühlung und UV-Strahlung schützt, andere verringern die Wasserabgabe durch Verkleinerung der Blatt-Oberfläche, z.B. durch Nadel- und Rollblätter.

Alpen-Rispengras
(Poa alpina)

An den Ährchen des Alpen-Rispengrases sind hellgrüne Laubsprossen sichtbar. Aus einer Deckspelze entsteht ein neues Pflänzchen (Brutpflanzen), das sich an einer vorgebildeten Stelle von der Blüte löst, auf die Erde fällt und Wurzeln schlägt. Diese Verbreitungsmethode sichert der Pflanze den Fortbestand auch in ungünstigem Gelände und erlaubt ihr, ohne mühevollen Umweg über Befruchtung und Samenbildung, in Kürze und in nächster Nähe Nachkommen zu erzeugen.

Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia)

Steinbrechgewächse bilden häufig Polster, die durch kurze Ausläufer ständig vergrössert werden. Beim Gegenblättrigen Steinbrech sind die Winkel der Blattzähne mit Wasserspalten ausgestattet, die es der Pflanze erlauben, aktiv kalkreiches Wasser abzuscheiden. Ist dieses verdunstet, bleiben dort kleine „Kalkschüppchen“ zurück. Die immergrünen Blätter dieses Steinbrechgewächses ertragen Temperaturen von bis zu – 40° C.

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Der Enzian soll seinen Namen dem illyrischen König Gentius (gest. 167 v. Chr.) verdanken, welcher diesen entdeckt und gegen Pest empfohlen hat. Die Wurzel des gelben Enzians enthält Bitterstoffe, die in Tees und Arzneimitteln angewandt werden. Bergbauern der Alpenregionen legten sich gegen geschwächte, schwitzende Füsse Enzianwurzeln in die Schuhe. In der Phytotherapie wird Gelber Enzian bei Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen oder bei Leber- und Galleerkrankungen angewandt. Auch als Digestif wird der Gelbe Enzian seit langer Zeit sehr geschätzt.

Silberdistel
(Carlina acaulis)

Die Silberdistel wird im Volksmund auch „Grosse Wetterdistel“ genannt, da die Pflanze die Blütenköpfe bei Trockenheit und Wärme öffnet und bei Feuchtigkeit schliesst. Ein anderer Trivialname ist „Stengelloser Eberwurz“ wegen der Vorliebe von Schweinen, die milchführende Wurzel zu verzehren. Schafe und Rinder hingegen meiden die Pflanze wegen ihres stacheligen Blütenkranzes und Blätter. Die volksmedizinische Bedeutung der Silberdistel ist schon lange bekannt, sie soll antiseptische, krampflösende, appetitanregende, verdauungsfördernde, harn-, schweiss- und wurmtreibende sowie wundheilende Wirkung haben.

Wollgräser (Eriophorum sp.)

Wollgräser gehören zu den Sauergrasgewächsen und besiedeln vorwiegend Moorstandorte. Die langen Blütenhüllfäden der Früchte bilden den bezeichnenden weissen Wollschopf der Wollgräser. Das Scheidige Wollgras kommt zerstreut in Hochmooren oder Waldsümpfen, auf sauren Torfböden vor. Das Breitblättrige Wollgras ist eher auf Flachmooren und Sumpfwiesen zu finden. Das häufigere Schmalblättrige Wollgras kommt in Flach-, Quell- und Zwischenmooren vor.